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Seelig sind die, die gelassen "Nein" sagen können

Nein zu sagen, ist für viele Menschen nicht einfach – im Privaten wie im Beruflichen. Kennen Sie folgende Szenarien: Eine Kollegin bittet Sie darum, eine Kleinigkeit für Sie zu erledigen… Sie genehmigen Ihrem Mitarbeiter einen „Brückentag“ und kommen selbst ins Büro, um den Laden zu schmeißen… Ihr Chef „versorgt“ Sie ständig mit neuen Aufgaben on-top… Ihr Kunde will „ausnahmsweise“ eine schnelle Umsetzung des Auftrages – und sie sagen „Ja“, obwohl sie innerlich „Nein“ meinen.

 

Warum ist es so? Es gibt viele Gründe, warum Menschen sich dagegen wehren, ehrlich „nein“ zu sagen. „Ja sagen“ erfüllt unsere eigenen, tiefsitzenden Bedürfnisse und wir bedienen so unsere „inneren Antreiber“: sei beliebt, sei brav, sei stark, sei unentbehrlich, mach es allen recht... Es hilft uns, unseren Ängsten und Befürchtungen in ihren vielfältigen Erscheinungsformen auszuweichen: der Angst vor Konfrontation, vor negativen Konsequenzen, z. B. das Wohlwollen des Chefs, der Kollegin oder des Kunden zu verlieren; der Befürchtung, dass die Beziehung „bricht“; ein Verlust an Macht und Einfluss bzw. des Gefühls „gebraucht zu werden“. Kurzum: Ja sagen - wenn wir Nein meinen - lindert unseren inneren Schmerz der mangelnden Selbstliebe, leider nur kurzfristig.

 

Sobald wir „ja“ gesagt haben, beginnt der innere Dialog: „Warum habe ich schon wieder "Ja" gesagt! Schon wieder bin ich das Aschenputtel oder der Depp, der alles macht, während die anderen die Lorbeeren sammeln!“  Auch wenn man das eigene Spiel, die inneren Trigger bei sich selbst durchschaut hat, ist es manchmal ein langer Weg, das eigene Verhalten zu ändern und „nein“ sagen, wenn man „nein“ meint -  nicht aus Trotz, Wut oder Ärger, sondern aus innerer Wahrheit, Gelassenheit und Ruhe.

 

Nein sagen will geübt werden, um Vertrauen in sich selbst und in das Leben zu gewinnen. Am Anfang ist es hilfreich, den Nutzen des Nein-sagens für sich einfach aufzulisten. Es gibt einige gute Gründe, die dafür sprechen: 

  • Nein sagen spart Zeit, die Sie dafür nutzen können, das zu tun, was Sie wirklich wollen, was Ihnen Freude macht.
  • Nein sagen spart Energie: Sie haben 100 Prozent Energie, die Ihnen zur Verfügung steht. Jedes ja sagen bindet ihre Energie. Nein sagen ist die einfachste Möglichkeit, mehr Energie im Alltag zu gewinnen.  Mehr Energie heißt mehr Vitalität und Lebensfreude.
  • Nein sagen stärkt Sie: Jedes Mal, wenn Sie zu jemand anderem „nein“ sagen, sagen Sie in Wahrheit „ja“ zu sich selbst. Das stärkt das Selbstvertrauen – und ist eine Grundlage für die Selbstliebe.
  • Nein sagen hilft Ihnen, Menschen in ihrem Leben anzuziehen, die Ihnen guttun. Es mag sein, dass Menschen, die mit ihrer Antwort unzufrieden sind, Sie später mit dem Arsch nicht ansehen wollen. Prima! So entledigen Sie sich der Menschen, die Ihnen eh nicht guttun und die nur darauf aus waren, Sie zu „benutzen“. Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf: Seien Sie sicher, dass wahre Freunde und Bekannten in der Regel keinen Groll gegen Sie hegen werden.

 

Fallen Ihnen noch mehr Gründe ein? Prima, schreiben Sie diese auf und vergleichen Sie mit Argumenten, die für das "Ja-Sagen" sprechen. Wie auch immer Sie sich dann entscheiden - es ist eine bewusste Entscheidung, die Sie treffen. Wenn Sie dann Ja sagten und Nein meinen - haben Sie sich bewusst dafür entschieden. Allein dieses "Sich-bewusst-Entscheiden" bringt Ruhe.

 

Nein sagen im Berufsalltag

Sollten Sich sich für das "Nein sagen" entscheiden, können folgende Tipps hifreich sein:

  • Freundlich im Ton und klar in der Sache: Machen Sie dem anderen keine falschen Hoffnungen, indem Sie „vielleicht“ oder „Ich werde sehen, was ich tun kann“ sagen, es sei denn, Sie meinen es auch so.
  • Wenn Sie wissen, dass - aus welchen Gründen auch immer - Sie eine Aufgabe nicht übernehmen können, scheuen Sie sich nicht, es offen und direkt mitzuteilen. Es ist besser, von Anfang an nein zu sagen, als am Ende Ihren Rückzieher erklären zu müssen.
  • Reduzieren Sie die Anzahl der Sitzungen, an denen Sie teilnehmen: Das verschafft Ihnen die Zeit, die Sie brauchen, um Ihren Kollegen nicht „nein“ sagen müssen. Hinterfragen Sie außerdem für sich, ob Ihre Teilnahme unbedingt nötig ist. Finden Sie keine gute Antwort, sagen Sie einfach ab.

 

Schon alles ausprobiert und das „Nein sagen" klappt immer noch nicht? Sprechen Sie mich gern an!

 

© 2019 by Dr. Samo Margarita V. Tchouvakhina